Zwischen Mut und Bedrängnis

Frankfurter Allgemaine Zeitung • 21.3.1980 •

Wie sich die katholische Kirchen in Slowenien behauptet / Die Methoden der Partei / Titos Krankenlager und die Afganistan-Krise Füren zur Zurückhaltung

Inzwischen bemüht sich das kommunistische Regime „im Geiste der Befreiungsfront“ zusehends um gute Beziehungen zu den slowenischen Bischöfen und Priestern. Mitte Januar hat Mitja Ribičič Erzbischof Pogačnik zu sich geladen, um mit ihm im „Geiste gegenseitigen Vertrauens und Achtung“ die aktuelle gesellschaftlich-politische Lage zu besprechen. Zur gleichen Zeit hat die Polizei bei der Staatanwaltschaft eine Angeige gegen den Korrespondenten der Parteizeitung „Delo“ in Rom, Janko Tedeško, und den verantwortlichen Redakteur der Wochenzeitschrift „Teleks“, Jure Apih, wegen „Beleidigung eines fremden Staates“ erstattet. Janko Tedeško hatte Anfang des Jahres in „Tedeks“ ein Interview mit der italienischen Journalistin Oriana Fallaci veröffentlicht, in dem, wie es heißt, „auf ordinäre Weise das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche, Papst Johannes Paul II, geschmäht wird“.

Diese Meldung überraschte viele in Slowenien. Einige Beobachter argwöhnen, hinter dieser Anklage stehe ein durchdachtes Spiel: Die Partei will der Hierarchie vormachen, sie dulde keine Schmähungen des Papstes, in Wirklichkeit möchte sie sich aber an „Teleks“ wegen seiner der Partei oft missliebiger Artikel rächen. „Teleks“ hat über kirchliche und religiöse Fragen im allgemeinen mit Verständnis und sogar mit Sympathie berichtet.